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Wie alles begann...
und seinen Lauf nahm...


Wie alles begann

 

 

Fotografiert hab ich eigentlich schon immer…

Auf die Idee, dass das Fotografieren meine Berufung sein könnte, bin ich aber lange nicht gekommen.

Auf Umwegen zum Glück dann aber doch.

und seinen Lauf nahm

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Fotografie   Happiness
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Seit ich denken kann hatte ich schon immer gerne Kameras in der Hand…

Als kleineres Kind so ein Ritsch-Ratsch-Ding, das damals relativ alltäglich in den Haushalten war und auf das man diese Plastik-Blitz-Teile aufstecken konnte, die nach 10 Schuss abgebrannt waren. Ähnlich antiquiert wie das Drehscheibentelefon, dass damals unsere Normalität war. Ich knipste was nicht niet- und nagelfest war und machte meine Eltern arm, in dem ich ständig in den Laden unten an der Ecke lief, die Bilder entwickeln ließ und neue Filme kaufte. Ich hatte Spaß und die liebe Familie tat es als Tick von mir ab, so wie gerne mal das ein oder andere mit dem ich versuchte mich kreativ auszuleben, als Tick abgetan wurde.

Im Jugendalter lernte ich das Entwickeln von Schwarz-Weiß und nahm mir aus unseren regelmäßigen DDR-Familien-Besuchen das legendäre supercoole dicke Barytpapier mit.

Gleichzeitig entwickelte sich eine Liebe zum journalistischen Schreiben. Glaube ich war 14, als ich mir einbildete ich müsste einen Artikel über Parkautomaten schreiben, die plötzlich in unserer Straße auftauchten und meinen Auto fahrenden Eltern das Leben schwer machten. Ich rannte damit zum Stadtanzeiger meiner Heimatstadt und mit promptem Abdruck in der nächste Ausgabe, war ich nicht nur stolz wie Bolle, sondern mein Wunsch Journalistin zu werden, geboren. Da das Leben mich nicht mit Selbstsicherheit zugeschüttet hat bzw. diverse Umstände und Dinge die im Leben leider passieren können, daran deutlich genagt haben, konnte ich diesen vor mir nicht immer aufrecht erhalten. Berufsberatungen die mir rieten ich müsse irgendwas mit Mathe machen oder Lehrerin werden, brachten mich deutlich in Bredouille. Heute vermute ich, das damals der Rat Lehrerin zu werden, wahrscheinlich nahezu jedem Mädel, dass nicht gerade soziopathische Züge zeigte, gegeben wurde, aber egal. Ich Depperl hörte zwar nicht ganz darauf, aber mache auch nicht mehr das was ich wollte. Heraus kam bei dem Kuddel-Muddel 1 Jahr Wirtschaftswissenschaften. Wohl fühle ich mich dabei wirklich nie, aber im Nachhinein war es zumindest nicht ganz umsonst, denn zu Beginn meiner Selbständigkeit half es mir schon die Dinge, die sich da plötzlich in Sachen Steuern und Co auftaten, besser händeln zu können. So hatte es dann doch irgendwie alles seinen Sinn, wenn man es richtig betrachtet.

Mit Hilfe eines Studiums der Kommunikationswissenschaften wollte ich dann meinem ursprünglichen Wunsch wieder näher kommen. Kurse wie „Radio machen“ fesselten mich sehr, aber die Überzahl der doch sehr theoretischen trocknen Kurse dafür ganz und gar nicht. Die Kette an Nebenjobs, die man während eines Studiums so tätigt, führte mich dann irgendwann zu einer Zeitung. Gefunden hatte ich diesen im Karteikasten des Arbeitsamtes unter Studentenjobs, wie es damals noch absolut üblich war. In dem Moment wo ich dieses Angebot sah, wusste ich das es mein Job sein musste. Ich weiß nicht warum und wieso, aber ich wusste es einfach. Umso größer war die Enttäuschung natürlich als ich dort anrief und 1. erfuhr, das der Job gar nicht in die Studentenecke gehörte, man 2. 10-Finger Schreiben können müsste und er 3. schon vergeben war. Ich weiß heute noch, wie ich immer wieder dachte das kann nicht sein, das kann einfach nicht sein, ich muss da rein. Warum ich mich damals traute ein paar Tage später nochmals dort anrufen und zu fragen, ob der Job immer noch vergeben war, ist mir bis heute ein Rätsel. Es war schlicht und einfach eines von diesen Dingen, die passieren mussten und so handelt man scheinbar auch mal gegen seine Gebühr, denn normalerweise hätte ich eine Ablehnung nach einem Mal einfach akzeptiert. Wundersamer weise bat die Dame mich, allerdings unter dem ausdrücklichem Hinweis, das dass eigentlich eh nichts für mich sei, da ich weder Schreibmaschine noch Steno schreiben konnte, ganz unverbindlich mal vorbeizukommen. Das ließ ich mir nicht nehmen, auch wenn ich nichts wusste wie ich über Nacht das 10-Finger-System erlernen sollte oder wahlweise sie davon zu überzeugen, dass ich bestimmt auch mit 2 Fingern sehr schnell bin. Eine hübsche sehr zierliche Frau mit einer Stimme, die so gar nicht zu ihrem filigranen Äußeren passte, nahm mich in Empfang und vermittelte mir zunächst mal das Gefühl, das dass Ganze hier vergebliche Liebesmüh war, aber da sie cool fand, dass ich einfach nochmal angerufen hatte und sie mich einfach kennenlernen wollte und gleichzeitig abchecken, das verriet sie mir aber erst deutlich später während einer feucht fröhlichen Weihnachtsfeier, ob ich zu diesem verrückten Haufen von Sport-Redaktion überhaupt passen könnte. Der verrückten Haufen und allen voran die verrückte Dame von Redaktionsassistentin, die da quasi heimlich das Regiment führte, überzeugte ich zum Glück so schnell, dass man befand, dass mein 2-Finger-System ähnlich schnell wie das der 10-Finger von manch anderen Bewerbern war und meine Auffassungsgabe das hoffentlich auch wett machen würde. Und so war ich dann plötzlich 2. Redaktionsassistentin, sortierte früh morgens Artikel, bearbeite Reisekosten der Redakteure, buchte Flüge und nahm vor allen Dingen abends die Texte aus den Stadien auf. Via Telefon diktiert tippte ich das ganze in den Großrechner, da es damals weder Laptops noch Redaktionssysteme gab, die auf Texte direkt aus dem Stadion in Textform ausgelegt waren und so kannte ich schnell sämtliche Stories und Spieler aus Fußball, Eishockey und Co. Ein Traum. Ich fühlte mich pudelwohl in dem zugebenermaßen sehr verrückten Haufen von Sportleuten, hatte mega Spaß und wurde wie mein Chef von damals mir heute noch beteuert, von allen „abgöttisch geliebt“. Er hat damals schon manchmal zu Übertreibungen geneigt, dass ist keine Alterserscheinung, aber wir hatten schon immer einen unglaublichen Draht zueinander und er entwickelte sich zu einem wichtigen Mentor für mich, mit dem ich das ein oder andere Glas Rotwein trank und über das Leben sinnierte. Dort kam ich dann auch schnell mit den Fotografen in Kontakt. Soweit in Kontakt, dass ich einiges Tages das Bedürfnis hatte mir das Ganze doch mal näher anzuschauen. Ich ging mal mit, durfte auch sofort Hand an die dicken 400mm Rohre anlegen, mich ausprobieren und die Profis von Schalke und Dortmund ablichten. Das ein oder andere Bild fand auch direkt seinen Weg in die Zeitung. Nein, ich war kein Naturtalent, aber ich war mit Kameras vertraut und dank dessen, das dass was ich tue, ich auch gerne gescheit und zu 1000% machte, war ich up to date, was alle wichtigen Fakten und Geschichte der Vereine betraf. Ich las nämlich alles dazu, was mir in die Finger kam. Ohne die Story zu erkennen braucht man gar nicht anzufangen journalistisch zu fotografieren, denn damit kommt man nicht weit. Warum ich zu dieser Zeit mit Spiegelreflexkameras und Wechselobjektiven vertraut war, sollte noch kurz erwähnt werden. Die Sommersemesterferien verbrachten wir damals neben Geld fürs Studium zu verdienen, jedes Jahr mit Backpacking. Mit 19 Jahren 6 Wochen quer durch Indonesien, ein Jahr später nach Indien, vor allem nach Nordindien, wo ich mich ins Himalaya schockverliebte und diese Liebe bis heute anhält, usw. usw. … In Indien half mir ein befreundeter Fotograf auf die Sprünge, machte mich mit der Technik vertraut und von Jahr zu Jahr galt meine große Liebe Fotos auf den Reisen zu machen, sie liebevoll in allen möglichen Größen auf Papier zu bannen, sie aufzuhängen und immer wieder die Motive an den Wänden meiner Studentenbutze zu erneuern.

Es dauerte dann nicht mehr lang, da war klar, ich möchte professionelle journalistische Fotografin werden und ich hörte mich dementsprechend um. Die Infos die ich bekam bescherten mir dann noch einmal einen kleinen Umweg. Nichts führte an einem Volontariat bei einer renommierten Bildagentur vorbei, allerdings ließen alle Infos keinen Zweifel daran zu, dass sich das ganze zwar Ausbildung nannte, aber so oder so ein entsprechendes Können schon vorausgesetzt wurde und man sich während dieser Ausbildung alles weitere selbst beibringen muss. Somit entschloss ich mich zunächst zu einer handfesten handwerklichen Ausbildung.

 

Wie alles begann… und seinen Lauf nahm… Teil 2

Mein Leitsatz war damals schon: „Wer die Regeln brechen will, um was besonderes zu machen, der muss sie beherrschen, dem müssen sie in Fleisch und Blut übergehen.“ Und daran hielt ich mich. Das Ausbildungsjahr hatte allerdings schon längst begonnen. Einmal entschlossen, war ich nicht gewillt zu warten und mir kam das Glück in Form von einer guten Verbindung und Freundschaft zur Hilfe. Ich bekam trotz 3 monatiger Verspätung die Chance zu einem Vorstellungsgespräch, bei einem in unseren damaligen Gefilden sehr renommierten Fotografen, der erstens auch noch groß, vielfältig und gut aufgestellt war und zweitens den Ruf hatte, dass Azubis dort sehr schnell selbst Hand anlegen duften, was nicht unbedingt üblich in der Branche war. Es ging alles sehr zackig mit dem Vorstellungsgespräch, aber dennoch sollte ich natürlich Referenzen mitbringen. Damals ohne Laptop und Co, machte man das noch mit Fotomappen, schicke schwarze, von denen ich mir schnellstmöglich eine besorgen musste. Das hieß sich persönlich auf die Socken machen und Fachgeschäfte abklappern, denn Online bestellen, daran dachte damals noch keiner. Zu meinem Pech waren Mappen in normalen Größen ausverkauft. Ohne war aber auch keine Option. Also erstand ich ein riesiges überdimensioniertes Ding, bei dem jeder alt eingesessene Werbefotograf auf dem Weg zu Coca Cola sich drei Mal überlegt hätte, so übertrieben aufzutreten. Aber was sollte ich machen … Eine lose Sammlung von Abzügen kam nicht in Frage. Also ließ ich in Windeseile meine Abzüge passend zur Mappe machen und machte mich am nächsten Tag auf zu meinem einzigen Vorstellungsgespräch. Voll der Gewissheit auf dem absolut richtigen Weg zu sein, hegte ich bis dato keinen Zweifel daran, dass es klappen würde, sondern hielt es einfach nur für eine bürokratische Hürde die zwangsweise genommen werden musste aber schon klar war, wie es ausgeht. Bis ich vor besagter Türe stand. Mit besagter völlig überdimensionierter Mappe unter Arm und mir plötzlich vor lauter Unsicherheit und Peinlichkeit vor allem wegen dieser Mappe, fast in die Hosen schiss. Zum Glück war ich viel zu früh. Ich brauchte ein bisschen, um mir selbst noch mal klar zu machen, dass ich mich voller Inbrunst für diesen Weg entschieden hatte und das es klappen musste, da führte kein Weg dran vorbei. Also versuchte ich mit geradem Rücken und erhobenen Hauptes zu mir zu stehen und den Job zu bekommen, der mich entsprechend meiner mir zurecht gelegten Wünsche weiterbringen sollte. Tatsächlich hab ich es geschafft die Geschichte mit der Mappe so witzig und sympathisch zu verkaufen, dass ich meinen Ausbildungsplatz wahrscheinlich sogar eher genau wegen dieser Mappe bekommen habe. 3 Jahre lang dauert so eine Ausbildung normalerweise. Wenn ich einmal weiß was ich will, ist Geduld allerdings nicht unbedingt meine Größte Tugend. 1. Lernte ich schnell und gut und 2. bekam ich recht schnell mit, dass man Ausbildungen auch verkürzen konnte. Bis dato hatte ich mich ja nie mit handwerklichen Ausbildungen beschäftigt, wusste somit auch nicht über alles Bescheid. Als ich hörte, das man bei guten Leistungen und mit Erlaubnis des Arbeitgebers ein halbes Jahr verkürzen konnte, war ich natürlich Feuer und Flamme. Als ich tiefer in die Materie eintauchte, erfuhr ich sogar, dass es rein theoretisch sogar möglich war um 1 Jahr zu verkürzen. Theoretisch deshalb, weil es in meinem Bundesland im Bereich Fotografie zu dieser Zeit scheinbar noch nie jemand gemacht hat. Aber natürlich wollte ich genau das. Es war ein bürokratischer Fight, die Behörden ließen sich nicht einfach überzeugen, Schule und Ausbilder ebenfalls nicht so einfach, aber am Ende stimmten alle zu. Natürlich nicht ohne vielfältige Warnungen, das dass alles eigentlich gar nicht möglich sei und das es auch keine Hilfestellung geben kann, weil man auf solche Fälle nicht eingestellt sei. Mir war das egal. Ich bekam nichts von der Schule, was mir zum Lernen halft. Besorgte mir alles selbst. Zusammengefasst sah meine Ausbildung dann so aus. 6 Tage die Woche Ausbildung, sprich Arbeiten und Berufsschule. Am Abend, Wochenende und Feiertags weiter in der Radaktion arbeiten, denn erstens liebte ich den Job und zweitens verdiente man in dieser Ausbildung fast nichts und irgendwie musste ich mich ja finanzieren. Daneben musste ich lernen und Projekte machen, die erstens eh dazu gehörten und zweitens ich mittels dessen 1 Jahr überspringen konnte. Heißt alles lernen, was in der Abschlussprüfung vor kam und alle Projekte, denn es wurde ja nicht deshalb weniger, in einer kürzeren Zeit machen. Schlaf gab es zu dieser Zeit nicht viel, auch kein Privatleben oder Urlaub. Aber es hat sich gelohnt und am Ende schloss ich die Theorie als Beste ab. Die Praxis leider nicht, aber dafür passte mein hypermodernes Motiv der Abschlussarbeit nicht ganz zu den meisten eher doch noch altbackenen Geschmäckern der Prüfer. Aber alles gut, es hat alles geklappt. Und der Weg war geebnet. Die Redaktion war in Essen, meine Wohnung ebenfalls, von Freunden und Familie mal ganz abgesehen … ABER … Die beste Sportfotoagentur war in Hamburg.

 

Teil 3

Die beste Sportfotoagentur war in Hamburg.

Also ging meine einzige Bewerbung auch genau dort hin. Mit dem Zug fuhr ich an einem Tag hin- & zurück, um ein relativ unspektakuläres Bewerbungsgespräch zu vollziehen. Mir ging in den folgenden Tagen der Arsch auf Grundeis. Es gab keinen Plan B, dementsprechend groß war die Angst davor, dass es nicht klappt. Die Angst, dass es klappt und ich die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen habe, kam allerdings genauso schwer hinzu. Ich wollte immer nach Berlin oder Hamburg, aber es sich dann vorstellen, ganz alleine, ohne z.B. eine Kontaktbörse wie die Uni, waren schon erschreckende Gedanken. Am Wochenende darauf fuhr ich erneut nach Hamburg. Diesmal ein ganzes Wochenende und diesmal um auf die Suche nach einer Wohnung zu gehen. Viel Zeit hatte ich nicht, eigentlich nur dieses WE und die ersten Objekte ließen mehr als zu Wünschen übrig. Zum meinem großen Glück fand ich zwei Super-Zimmer in einer riesigen Altbau-WG direkt am Schanzenviertel. Was will man mehr. Das war der absolute Hammer und zeigte mir einmal mehr, dass alles richtig war!!! Trotzdem heulte ich am Tag nach dem Umzug, als die Bude leer war und alle wieder nach Hause weit weg der Hansestadt entschwunden sind, erstmal ein paar gehörige Strophen und zweifelte ernsthaft an meinem Verstand, dass ich das getan habe. Danach war aber keine Zeit mehr zum Heulen, es ging direkt voll los. Der erste Tag war gleich ein Denkwürdiger … Ich dufte mit zu einer Boris Becke Pressekonferenz und am nächsten Tag war die Zeitungen voll mit meinen Bildern. Anfängerglück, aber somit war die Messelatte hochgelegt. Als damals schon kleiner Workaholic tat ich auch alles dafür, diese ständig höher zu legen und immer wieder zu übertreffen. Somit startete ich direkt in der Bundesliga, war sofort auf Reisen und hatte direkt von Anfang sämtliche Sportprominenz vor meiner Linse. Im ersten Jahr zB nicht nur Boris Becker und sämtliche Fußball-Stars, sondern zB auch Muhammad Ali in Dublin. Das war schon ganz besonders. Aber um ehrlich zu sein jagte eine Besonderheit die nächste und gefühlt erlebte ich in jedem Jahr so viel wie theoretisch in einem Leben, war fast nur auf Reisen und erlebte und lernte so viel, dass es manchmal fast schwierig wurde sich hin- und wieder auch mit der Realität anzufreunden. Das es sich dabei allerdings auch um schwere Arbeit handelt, sollte nicht ganz unerwähnt bleiben. Stress, Druck, wenig Schlaf. Fast jedes Wochenende arbeiten, oft abends, meist unter schweren Bedingungen. Viel Schlepperei, bei jedem Wind und Wetter am Fußballfeld, Multitasking und Höchstkonzentration. Tatsächlich hab ich so einige Volontäre- & innen heulend kommen und gehen sehen. Aber wer blieb, wurde belohnt. Es gab keine Fußballgröße, die nicht irgendwann vor meiner Linse landete und auch wenn Deutsche Meisterschaften, Europameisterschaften und Weltmeisterschaften auch in Sportarten wie Eishockey, Handball, Eiskunstlauf, Beachvolleyball, Boxen, Schwimmen, Eisschnelllauf, aber auch Curling und Bahnrad ablichtete, so war doch Fußball das Hauptbusiness.

Die Krönung war die Weltmeisterschaft 2006 in eigenem Lande und für uns Fotografen war es mehr als ein Sommermärchen. Es war echt ein Traum. An jedem einzelnen Spieltag hatte ich ein Spiel, ich war in jedem einzelnen Stadion und da ich mit der Bahn unterwegs war, traf ich irgendwie auch auf jeden Fan. Es war als ob man mit dem Ganzen verschmolz. Kaum Schlaf, ständig Adrenalin pur, summa summarum für mich ein Jahrhunderterlebnis. Danach konnte in Sachen Sportfotografie für mich nichts Größeres mehr kommen und nichts konnte mehr toppen. Es hat einfach alles gepasst. Als die Europameisterschaft 2008 mich fast langweilte, wusste ich, dass es langsam Zeit wurde von diesem speziellen Gebiet Abschied zu nehmen. Da ich ja nicht nur journalistisch ausgebildet war, sondern auch handwerklich, hatte ich ja auch Dinge wie Studioausleuchtung usw. drauf. Während meiner Sportfotografinnen-Zeit in Hamburg hab ich dies auch immer forciert, in dem abgefahrene und kreative Portraits von HSV und St. Pauli Stars gemacht habe oder zB von Teilnehmern der Olympischen Spiele. Es kam die Zeit da hatte man gefühlt jedes Stadion in Europa erlebt, kannte jeden einzeln Spieler jedes Vereins und hatte dank des Trainerkarusells jeden Trainer unter mehreren Vereinswappen gesehen und da die Reglements und Restriktionen auch immer größer und intensiver wurden, ließ einfach die Leidenschaft irgendwann nach und wurde von der Langeweile abgelöst. Also ich schließlich bei jedem Eishockeyspiel eine Tüte Gummizeug aß, beim Fußball kleine Schokoladen und BonBons wie Brot und während der Wintermonate gefühlt nur noch aus Skiunterwäsche, beheizbarbaren Einlegesohlen und eingefrorener Nasenspitze bestand, reifte der Entschluss wieder breiter und vor allem kreativer fotografieren zu wollen.

Der nächste Step stand somit an.

Dank des Regens kam ich um eine Präsentation in der Sportbild mit lächerlichem Regenhütchen nicht drumherum, denn die Konsequenz wäre gewesen das mir beim Arbeiten das Wasser von der Haarmatte ins Gesicht gelaufen wäre. Das unterstreicht aber auch so ein bisschen das bittersüße Dasein eines Sportfotografen, dass ja in der Überschrift ironischerweise deutlich rüberkommt 🙂

Übrigens war und bin fast mein Leben lang Canon-User gewesen … Nur ca. 1 Jahr hatte ich Nikon, als die Agentur für die ich damals gearbeitet habe, umgestellt hat … Ich bin dann gegangen, dass lag aber weder an der Agentur noch an Nikon :-). Dennoch bin ich als Selbständige wieder auf Canon umgestiegen.

 

Teil 4

Ich ging nach München, machte mich selbständig und bin es bis heute noch. Dem Sport bin ich zum Teil verbunden geblieben, allerdings nicht mehr in Form von Action-Fotografie, sondern Sportlerportraits wie von Thomas Müller, Manuel Neuer, Robert Lewandowski und Co, Zusammenarbeit mit Sport-TV wie Sky, Eurosport, Sport1 usw., Aufträge für Sportmagazine wie Bundesliga-Magazin oder Sportbild beispielsweise. Aber es sind auch viele bunte Sachen dazu gewachsen, wie Portraits von Schauspielern und Musikern. David Garrett zB.. Oder aber Business wie die Hotelfotografie für Motel One, was wiederum perfekt zu meiner großen Lieben dem Reisen passt, die ich in den letzten Jahren mit Trips nach Bhutan, Peru und Tibet auch wieder voll aufleben lassen habe…

Die Anfänge so ausführlich beschrieben und die letzten Jahre hingegen so kurz abgearbeitet, dabei ist da doch sicher auch so viel Spannendes passiert???

Ja, das stimmt, aber 1. musste leider bei so viel Erlebtem auch immer Platz für Neues im Kopf gemacht werden und 2. wäre das jetzt auch zu viel des Guten für diese Post-Serie.

Deshalb habe ich mir folgendes überlegt … Ich werde versuchen mein Gedächtnis zu reaktivieren und die ein oder andere kleine Anekdote hervorzukramen. Zu manchen finde ich bestimmt auch noch ein bisschen Bildmaterial. Außerdem gibt es bestimmt auch noch andere Dinge zu berichten, die vielleicht nicht unbedingt anekdotenhaft sind, aber auf andere Art und Weise interessant. Ich werde demnächst immer wieder mal in altes Material eintauchen und mich selbst überraschen lassen, was da so auftaucht und was sich für kleine Geschichten auftun, die gerne erzählt und geschrieben werden möchten. Es wird also alles spontan wachsen und gedeihen, aber wenn es etwas gibt, dass hier für jemanden von Interesse wäre, dann freue ich mich über Feedback, Anregungen, Wünsche oder Frage…




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